Über private Residenzen und Haushaltsführung

Ein Interview mit Dr. Judith Girschik

„Menschen, die ihr Geld investieren, um zeitraubende Aufgaben (wie z. B. die Haushaltsführung) outzusourcen, haben ein größeres Wohlbefinden und eine generell höhere Lebenszufriedenheit.“ – Dr. Judith Girschik

Als Führungskräfte-Coach unterstützt Dr. Judith Girschik Führungspersönlichkeiten wie Manager, Geschäftsführer, Vorstände und Unternehmer in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung. Sie verfügt über langjährige Beratungs- und Führungserfahrung in international tätigen Unternehmen. Wir durften Sie kennenlernen und Ihr einige Fragen zum Thema „Karriere und Haushaltsführung vereinbaren“ stellen!

Mag. Claudia Schlegel, Geschäftsführung BUTLER BUREAU:
Frau Prof. Girschik, als Coach von Managern, Vorständen und CEOs verbringen Sie viel Zeit mit Menschen, die Führungsverantwortung tragen. Diese Menschen haben nicht nur ein berufliches, sondern auch ein privates Leben. In dem Sie nicht minder anspruchsvoll sind als im Beruf. Und auch nach offiziellem Büroschluss führen sie Menschen: In großen repräsentativen Haushalten beschäftigen sie immer mehr Housemanager, Butler, Chauffeure, Haushälterinnen und mitunter eine Schar von Kindermädchen. Woher kommt diese Entwicklung?
Dr. Judith Girschik:
Die Gründe dafür liegen in den beschränkten zeitlichen Möglichkeiten vieler Menschen. Wer 20 Stunden am Tag für sein Unternehmen unterwegs ist, kann nicht auch noch einen gut organisierten Haushalt führen. Von der Betreuung von Kindern ganz zu schweigen. Umgekehrt ist es für viele Menschen auch so, dass – etwa für berufstätige Paare -ohne externe Hilfe im Haushalt das wirtschaftlich nötige berufliche Engagement gar nicht denkbar wäre.
US-Studien zeigen, dass der Karriereweg von besonders erfolgreichen alleinerziehenden Frauen erst durch die richtige Unterstützung im Haushalt und in der Kinderbetreuung möglich wurde.

CS: Kann man aus wissenschaftlicher Sicht sagen, dass die Investition in das professionelle Management des eigenen Haushalts sinnvoll ist?
JG: Das Outsourcen der Haushaltsführung setzt natürlich immer ein geeignetes Budget voraus. Wer allerdings über die richtigen Summen verfügt, investiert mit der Anstellung eines professionellen Haushaltsmanagers, also z. B. eines Butlers, ins eigene Glück.
Aktuelle Studien zeigen nämlich, dass Menschen, die ihr Geld investieren, um zeitraubende Aufgaben (wie z. B. die Haushaltsführung) outzusourcen, ein größeres Wohlbefinden und eine generell höhere Lebenszufriedenheit erreichen als Menschen, die sich bewusst dagegen entscheiden und das verfügbare Geld lieber in Materielles investieren.
Wer also vor dem Dilemma steht, Zeit zu investieren, um Geld zu sparen oder Geld zu investieren, um Zeit zu sparen, sollte sich– schon allein um der eigenen Gesundheit willen- für Letzteres entscheiden.

CS: Wir stehen vor einer immer größer werdenden Nachfrage nach Housemanagern, Butlern, Haushälterinnen und Kindermädchen. Was sollten potenzielle Arbeitgeber dabei beachten?
JG: Genauso wie in einer Führungsposition im Job, bedeutet Mitarbeiterführung auch im privaten Umfeld Verantwortung. Eine besondere Herausforderung dabei ist es, zwischen der beruflichen, also der geschäftlichen Beziehung und der persönlichen Beziehung zum Mitarbeiter zu differenzieren. Auch wenn es schwierig ist:  der Schlüssel zu funktionierendem Mitarbeitermanagement im Haushalt liegt im Beachten derselben Grundsätze wie im rein beruflichen Umfeld.

CS: Und würden Sie sagen, dass das gelingt? Leider hört man Klagen sowohl von Seiten der Arbeitgeber wie der Mitarbeiter?
JG: Im Idealfall, ja.  Gerade bei der Verwaltung großer Vermögen durch Hauspersonal spiegeln sich immer öfter die Strukturen und Organigramme der herkömmlichen Geschäfts- und Konzernwelt. Je mehr aber die Intimsphäre der Dienstgeber betroffen ist, desto komplizierter kann der Umgang mit Personal werden. In den eigenen vier Wänden verschwimmen mitunter die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem.

CS: Warum fällt das vielen Menschen so schwer?
JG: Man muss sehen, dass der Stress, dem viele Führungskräfte und Manager im Beruf ausgesetzt sind, sie täglich an ihre Grenzen gehen lässt. Wer im Büro großen Belastungen ausgesetzt ist, muss sich oft den ganzen Tag dazu zwingen, die Contenance zu behalten. Das kostet Energie. Je mehr Energie wir im Berufsleben dafür aufwenden, uns von unserer besten und tadellosen Seite zu zeigen, desto weniger Energie steht dafür dann abends noch zur Verfügung.

Viele Menschen kehren erst spätabends oder nur am Wochenende nach Hause zurück und wollen sich dann in keiner Weise mehr anstrengen müssen. Dazu zählt oft auch der taktvolle Umgang mit Mitmenschen. Das spürt dann oft nicht nur der Partner, sondern eben auch die Dienstnehmer, die sich in diesem Haushalt aufhalten. Doch wer am Abend unter keinen Umständen mehr eine Unterhaltung führen will, darf auch nicht überrascht sein, wenn am nächsten Morgen der Frühstückskaffee nicht so bereitsteht, wie man sich das eventuell gewünscht hat und für die um die Mittagszeit erwarteten Gäste nicht ausreichend Getränke eingekauft und auch keine Snacks vorbereitet wurden. Wenn dann auch der Koffer für die dringend anstehende Reise nach London nicht gepackt ist, kann das einen wütenden Dienstgeber zur Folge haben. Wenn Mitarbeiter dann noch „verschnupft“ auf dieses Verhalten reagieren, bereiten sie – mitunter schuldlos – den Boden für einen langwierigen Konflikt.

CS: Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Konflikten im Estate Management entgegenwirken?

JG: Wesentlich ist es, schon von Anfang an, also beginnend mit der Anstellung von Mitarbeitern Umsicht walten zu lassen. Wer Menschen anstellt, die sich in seiner nächsten Umgebung aufhalten werden, ist gut beraten, beim Auswahlprozess gründlich vorzugehen. Stellt man im eigenen Unternehmen eine neue Buchhalterin oder einen neuen Controller an, geht man dabei üblicherweise recht systematisch vor. Große Unternehmen nützen dazu oft Personalberatungsunternehmen, die die richtigen Jobkandidaten vermitteln.

Es ist sicher eine gute Idee, diese Methode auch auf Personal anzuwenden, das im persönlichen Bereich der Auftraggeber tätig wird. Hier kommen dann Boutique-Unternehmen zum Einsatz, wie eben das Butler Bureau.  Auf diese Weise werden im Vorhinein die Wünsche und Interessen des Auftraggebers berücksichtigt. Vor allem aber wird auf die richtigen Qualifikationen der Bewerber und eine einschlägige Ausbildung geachtet. Es werden Vorab-Interviews geführt, bei denen auf alle Details des CV des Bewerbers genau wird. Erst eine sorgfältige Vorauswahl ermöglicht die optimale Abstimmung der Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Aber auch wenn es zu einer vertraglichen Einigung gekommen ist, ist es wichtig auf den respektvollen Umgang miteinander zu achten. Damit das Arbeitsverhältnis ein für beide Seiten befriedigendes wird, müssen Arbeitgeber auf dieselben Grundsätze achten wie auch im herkömmlichen beruflichen Umfeld. Falls trotz bester Absicht Konflikte entstehen sollten, erweist es sich immer wieder als hilfreich, ein Coaching oder auch eine Konfliktmoderation in Anspruch zu nehmen. Beides kann dazu beitragen, emotionale Wogen wieder zu glätten und so die Voraussetzung für einen reibungslosen Arbeitsablauf zu schaffen.

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BUTLER BUREAU bedankt sich recht herzlich!

Klicken Sie auf diese beiden Links, um mehr über Frau Dr. Girschik und Ihre Arbeit zu erfahren:
https://leadership-institute.at/what-to-expect-from-your-leadership-coach/
https://leadership-institute.at/executive-coaching/